Fr, 01. Mai 2020

Schwarzwaldhalle Karlsruhe, 20.00 Uhr

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Konstantin Wecker

Weltenbrand

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Konstantin Wecker & das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie

unter der Leitung von Mark Mast:

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Zur Premiere der „Weltenbrand“-Tournee am 01.06.2019 in der ausverkauften Schwarzwaldhalle in Baiersbronn traf Redakteur Erik Leo den Künstler Konstantin Wecker, um mit ihm über sein aktuelles Projekt zu sprechen.
 

Nicht Weich-, sondern Mutmacher.
Der alte deutsche Poppoet Konstantin Wecker ist empathischer Songwriter, kein gefühlsduseliger. Und weltoffen in jeder Hinsicht, auch musikalisch. Nun geht der 72-Jährige mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf Tournee. Im Leben eines 72-jährigen Musikers – in diesem Fall Konstantin Wecker - gibt es natürlich viele Dinge, die auch schief gelaufen sind. Von Wikipedia die Berufsbezeichnung Liedermacher verpasst zu bekommen, ist da sicher nicht das Schlimmste. Auch wenn Liedermacher für viele Musikhörer (sogar berufsmäßige), die ihren Geschmack vor allem in Schubladen sortieren, ähnlich abtörnend ist wie Rock meets Klassik für Punkfans. Was im Angloamerikanischen der Songwriter, ist der Liedermacher hierzulande noch lange nicht. Dem haftet eher der Charme des Barden an, der auf seiner Klampfe Rettet-die-Bienen-Lyrik vertont. Konstantin Wecker hat nichts gegen die Rettung der Bienen, im Gegenteil. Das heißt aber noch lange nicht, dass er Bienenrettungs-lieder schreibt. Dafür seien die jungen Leute zuständig, findet der Münchner, und freut sich ehrlichen Herzens, wenn in sein Songwriter-Seminar an der Uni Landau eine junge Gitarren-spielerin kam und ein schlichtschönes Bienenlied mit bezaubernder Naivität vortrug. Da dachte er sich, das sei eigentlich der Fridays für Future- Song. „Wenn ich das Gleiche singen würde, würden die Leute wahrscheinlich sagen: Spinnt der jetzt?!“ So einen Song könne halt nur eine 21-Jährige machen und soll sie auch. Wecker ist schließlich kein Zyniker, er ist Anarchist.

 

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Im Ernst, weil er Anarchie nicht als Chaosstiften begreift, sondern als Widerstandsform. Als permanenten Akt wider den Gehorsam, den blinden Gehorsam. Der widerstrebt ihm auch künstlerisch. Malen nach Zahlen als Akustikübung – nicht sein Ding.
Als Freigeist, der sich dank Elternvorbild immer gegen erstarrte Weltbilder auflehnte, hat er natürlich alle möglichen Künste ausprobiert. Er hat gesungen, geschrieben u. geschauspielert und dabei nie eine Nische unbesucht gelassen, wenn sie ihm denn einen Abstecher Wert schien. So geriet er auch mal in einen Sexfilm und schrieb in den Neunzigern eine Fußball-hymne auf den TSV 1860 München, wo doch sein eignes Musik-Café direkt neben deren Stadion lag. Dass er nun mit Klassikleuten durch die Häuser zieht, kann deshalb nur Schubladendenker zum Reflex verleiten: Klassik? Jetzt fällt dem Wecker wohl auch nichts mehr ein! Tja, werte Schubladenfans, ganz falsch. Der Herr Wecker ist zwar gerade 72 geworden, aber mitnichten auf dem Trip in die Einfallslosigkeit. Vielmehr ist er mit seinem Programm „Weltenbrand“ und dem multinational zusammengesetzten Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter Leitung seines Freundes Mark Mast auf einer ganz speziellen Comeback-Tour.

 

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Er kehrt quasi zurück in seine Kindheit und Jugend, in der er vom Zauber der sogenannten klassischen Musik eingefangen wurde. „Ich bin eigentlich groß geworden mit Schubert, meinem musikalischer Ziehvater, mit der italienischen Oper und mit der Lyrik von Rilke.“ Endlich höre er seine Lieder, von denen er manche bereits vor 40 Jahren unter dem Einfluss Carl Orffs schrieb, wieder so, wie er sie beim Komponieren im Ohr gehabt hätte. Viele der alten Lieder hätte er genauso vor einer Woche schreiben können, hat Wecker bei ihrer Auswahl für das

aktuelle Programm erschreckenderweise festgestellt. Dazu zählt auch „Sage Nein!“, ein Widerstandslied gegen die Menschenverachtung, das er vor zwei Jahrzehnten unter dem Eindruck brennender Ausländerheime schrieb – und das als Neuinterpretation des westafrikanischen Musikers und Germanistikstudenten Ezé Wendtoin jüngst millionenfach durch die Onlinewelt ging. „Sage Nein!“ symbolisiert die besondere Verbindung von Musik und Poesie, die Weckers Songs prägen und eben auch ihre aufwühlende Kraft und nie verblassende Zuversicht. Wecker macht Musik, die den Hörer nicht nur rühren, sondern auch rütteln soll. Weichmacher gibt es schon genug unter den jungen deutschen Poppoeten. Schön, dass der alte deutsche Poppoet Wecker als Mutmacher auffällt. Welches Etikett ihm dabei angepappt wird – Liedermacher, Nun-also-Klassik-Heini oder meinetwegen Bienen-Versteher – ist dem Bayern so wurscht wie dem Publikum vor drei Jahrzehnten seine ersten Konzerte mit einem Kammerorchester. Damals, als Punk gerade in war und die Leute nicht wegen, sondern trotz seiner Musik kamen, wie Wecker sagt. Selbstironie hat er natürlich auch.
 

Text: Erik Leo

 

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Entzündet vom Weltenbrand
 

Konstantin Wecker und die klassische Musik. Für viele gehören orchestrale Klänge seit jeher zu dem Münchner Liedermacher wie dessen Klavier und seine Stimme. All diejenigen dürfen 2019 auf die ganz besonderen Konzertereignisse „Weltenbrand“ gespannt sein. Denn Konstantin Wecker geht mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie auf große Konzertreise. Am Dirigentenpult: Mark Mast.
Konstantin Wecker und Mark Mast – die beiden Namen stehen für eine fast 20-jährige Zusammenarbeit, zu der unter anderem auch die Uraufführung von Weckers „Carmina bavariae“ bei den Orff-Tagen der Bayerischen Philharmonie gehörte, die vom Intendanten der Sergiu Celibidache Stiftung dirigiert wurde. Auch auf Konstantin Weckers jüngster Produktion „Poesie und Widerstand“ wirkten Mark Mast und seine Kammermusiker mit - im Studio sowie auf der Bühne des ausverkauften Circus Krone, wo der Sänger mit fünf gefeierten Konzerten seine fulminante Jubiläumstour zum 70. Geburtstag begann.

 

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2019 sind Konstantin Wecker und Mark Mast wieder auf der Bühne vereint, um mit alten und neuen Songs des Liedermachers den globalen Traum einer herrschaftsfreien Welt zu zelebrieren, darunter eben auch „Weltenbrand“, „Empört euch“ sowie das „Hexeneinmaleins“, das der Münchner Komponist bereits in den 70er- Jahren für eine orchestrale Begleitung geschrieben hat. Seine Leidenschaft für die Klassik ist Konstantin Wecker von seinem verehrten Vater bereits im zarten Knabenalter in die musikalische Seele gehaucht wurden. Für immer und ewig. Zahlreiche Platten, CDs, Filmmusiken, Kindermusicals und Bühnenauftritte sind Zeugen dieser wunderbaren Bindung. Unter anderem stand er in den vergangenen Jahrzehnten mit den Münchner Philharmonikern, dem Bayerischen Rundfunkorchester und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auf der Bühne. Die Hingabe zur klassischen Musik lässt ihn ebenso wenig los wie die Furcht vor einer stetig kälter werdenden Welt. Und so wird Konstantin Wecker auch in seinem aktuellen Programm „Weltenbrand“ seine Stimme gegen
den Krieg und die drohende Faschisierung der Erde erheben. Doch eines ist klar. Wer den bekennenden Pazifisten und Träger des Göttinger Friedenspreises 2018 kennt, der weiß, dass er auch mit diesem düster klingenden Titel keine Angst verbreitet. Sondern Mut und Lebensfreude. Und dies mit der außergewöhnlichen Kraft und den wundervollen Klängen eines phänomenalen Orchesters.

Link: www.wecker.de
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